Was vor dem Krypto-Steuerreport in CoinTracking oder Blockpit kommt
CoinTracking und Blockpit berechnen Gewinne, Verluste und Steuern. Das machen sie gut. Beide Tools haben sich in der Praxis bewährt und decken die meisten Szenarien zuverlässig ab.
Was sie nicht tun: prüfen, ob die Daten, mit denen sie rechnen, vollständig sind.
Genau hier entsteht in der Praxis das häufigste Problem. Nicht das Tool rechnet falsch. Die Datenbasis ist unvollständig. Das Ergebnis: ein Steuerreport, der auf einer lückenhaften Grundlage steht.
Die Reihenfolge ist entscheidend
Bei Krypto-Steuern gibt es eine klare Reihenfolge, die oft übersehen wird:
- Krypto-Dokumentation (vollständige Transaktionshistorie im Tool)
- Steuerberechnung (was CoinTracking oder Blockpit daraus berechnet)
- Compliance (Steuererklärung, DAC8-Meldungen, Mittelherkunftsnachweis)
Jeder Schritt baut auf dem vorherigen auf. Wenn die Krypto-Dokumentation in Schritt 1 fehlerhaft ist, wird jede Steuerberechnung darauf falsch sein. Egal wie gut das Tool rechnet, egal wie erfahren der Steuerberater ist.
Was "unvollständige Krypto-Dokumentation" in der Praxis bedeutet
Ein Beispiel: Das Krypto-Steuertool zeigt 300.000 Euro Gewinn an, obwohl der tatsächliche Gewinn deutlich niedriger liegt. Das ist in den meisten Fällen kein Bug im Tool. Das Tool sieht Verkäufe ohne passende Käufe, weil bestimmte Wallets oder Börsen nicht importiert wurden. Ohne Kostenbasis wird jeder Verkauf als vollständiger Gewinn berechnet.
Aus über 500 Fällen in den letzten Jahren waren die häufigsten Ursachen dafür:
Fehlende Wallets. Du hast neun Wallets, aber nur sieben importiert. Die Transaktionen der anderen zwei fehlen komplett. Das Tool kann nicht wissen, dass diese Wallets existieren.
Unvollständige DeFi-Dokumentation. Liquidity Mining, Bridges, Staking über verschiedene Protokolle: Viele dieser Vorgänge werden von Tools nicht automatisch erkannt oder falsch klassifiziert. Die Folge sind fehlende oder doppelte Einträge in der Transaktionshistorie.
Vergessene Börsen. Eine Börse aus 2019, die es nicht mehr gibt. Die CSV-Dateien sind weg. Die Käufe fehlen, aber die Coins tauchen später bei einer anderen Börse als Verkauf auf, ohne dass das Tool die ursprüngliche Anschaffung kennt.
Falsche Klassifizierungen. Ein interner Transfer zwischen eigenen Wallets wird als Verkauf erfasst. Oder ein Airdrop wird steuerlich falsch eingeordnet, weil die automatische Erkennung den Vorgang nicht richtig zuordnen konnte. Solche Fehler fallen oft erst auf, wenn der Steuerreport unrealistische Zahlen zeigt.
Warum das ab 2026 noch wichtiger wird
Mit DAC8 melden Krypto-Börsen seit Januar 2026 automatisch Transaktionsdaten an Finanzbehörden in der EU. In Deutschland setzt das Kryptowerte-Steuertransparenzgesetz (KStTG) diese Vorgaben um, in Österreich gilt die entsprechende nationale Umsetzung.
Diese Daten werden mit der Steuererklärung abgeglichen. Wenn die eigene Dokumentation Lücken hat, entstehen Widersprüche: Das Finanzamt sieht Transaktionen, die in der Steuererklärung nicht auftauchen, oder umgekehrt. Eine lückenlose, belegbare Krypto-Dokumentation ist in solchen Fällen die beste Vorbereitung.
Dieselbe Dokumentation bildet auch die Grundlage für einen Mittelherkunftsnachweis, wenn Banken bei größeren Krypto-Auszahlungen auf ein Bankkonto nachfragen.
Was vor dem Steuerreport geprüft werden sollte
Bevor der Steuerreport in CoinTracking oder Blockpit generiert wird, lohnt sich eine systematische Prüfung:
- Alle Wallets importiert? Nicht nur die aktiven, auch alte Wallets, die seit Jahren nicht mehr genutzt werden. Jede Wallet, die jemals Coins empfangen oder gesendet hat, gehört in die Dokumentation.
- Alle Börsen erfasst? Auch solche, die nicht mehr existieren oder bei denen der Account geschlossen wurde. Die historischen Transaktionen bleiben steuerlich relevant.
- Offene Transfers gelöst? Transaktionen, bei denen das Tool Quelle oder Ziel nicht zuordnen kann, erzeugen fehlende Kostenbasis und verfälschen den Report.
- Klassifizierungen korrekt? Ist ein Swap auch als Swap erfasst, ein Transfer als Transfer, ein Staking-Reward als Staking-Reward? Falsche Kategorisierungen führen zu falschen Steuerberechnungen.
Wenn diese Punkte sauber dokumentiert sind, rechnet das Tool korrekt. Der Steuerberater bekommt verlässliche Zahlen. Die Steuererklärung steht auf einem soliden Fundament.
Krypto-Dokumentation ist kein Kostenpunkt, sondern eine Absicherung
Die Erfahrung zeigt: Wer die Krypto-Dokumentation ernst nimmt, spart langfristig Zeit und Geld. Nachträgliche Korrekturen, Rückfragen vom Finanzamt oder ein fehlerhafter Mittelherkunftsnachweis kosten ein Vielfaches dessen, was eine saubere Dokumentation von Anfang an kostet.
Krypto-Steuertools wie CoinTracking und Blockpit sind leistungsfähige Werkzeuge. Sie brauchen vollständige Daten, um das zu liefern, was sie am besten können: korrekte Steuerberechnungen.
Über den Autor
Robert Thorn ist Co-Founder von TX-Partner und auf professionelle Krypto-Dokumentation für komplexe Portfolios spezialisiert. TX-Partner erstellt die Dokumentation, auf der Krypto-Steuertools und Steuerberater aufbauen. Keine Steuerberatung, kein Tool, sondern die Grundlage, auf der beides funktioniert.